Fünf Minuten Ekel – Interview mit Franz Zwerschina & Rafael Bettschart

Die Küche ist heutzutage ein Kriegsschauplatz. Dort geht es oft weniger um Aromen als um Ideologien. Die machen jedoch bekanntlich kaum satt, weshalb richtiges Essen unentbehrlich bleibt. Helfen kann eine entspanntere Haltung zur Ernährung: “Zum Scheißen reichts“. Das ist der Buchtitel von Franz Zwerschina und Rafael Bettschart, mit denen wir über den “Food War” plauderten.

DISGUSTING FOOD MUSEUM BERLIN: Frutarier, Freeganer, Pescetarier und Allesfresser bekämpfen sich bis auf die Blutwurst. Wie lässt sich dabei ein ironisches Kochbuch schreiben?

Franz Zwerschina: Das lässt sich relativ einfach beantwortet. Als ich in Berlin in einer Agentur als Hausmeister arbeitete, traf ich auf meinen jetzigen Kumpel Rafael, der dort als Creative Director beschäftigt war. Ich erzählte ihm in einer Mittagspause von der Idee, ein Kochbuch mit dem Namen „Zum Scheißen reichts“ zu schreiben – eine Bemerkung, die auf meinen Vater zurückgeht, der so die Kochkünste meiner Mutter persiflierte. Rafael fand die Idee so gut, dass wir das Konzept ausarbeiteten und das Ding auf den Markt brachten. Und by the way: Man sollte nichts im Leben so ernst nehmen, vor allem das Kochen nicht! Weniger Fleisch essen, bewusst einkaufen: Damit kommt man schon weit!

Rafael Bettschart: Insbesondere in einer Zeit, in der die Menschen obsessiv mit Ernährung umgehen und die sozialen Netzwerke mit Food-Bildern überfluten, ist eine ironische Herangehensweise vermutlich die logische Antwort auf diesen Trend. Selbstverständlich wollen wir damit niemanden verurteilen, aber letztlich fallen diese Veränderungen auf – und warum soll man als selbsternannter Küchen-Rebell nicht ein wenig gegen den Trend schwimmen? Jeder hat das gute Recht, sich einer kulinarischen Ideologie anzuschließen. So haben wir es letztlich auch getan und quasi unsere eigene entworfen.

DFM BERLIN: Wie geht Ihr mit Dingen um, die Euch kulinarisch fremd sind?

Franz Zwerschina: Ich bin da relativ offen und lasse mich gern von neuen Aromen überraschen, vor allem was Gemüse und Obst betrifft. Beim Fleischkonsum bin ich konservativer. Wir essen zu Hause nur Fleisch, von dem wir wissen, wo es herkommt. Mein Vater ist Jäger, wir haben auch Fischteiche und eine kleine Hühnerfarm.

Rafael Bettschart: Kulinarisch Fremdes? Natürlich isst man es! Allerdings lebe ich die letzten Jahre primär vegetarisch und habe in gewissen Ländern Schwierigkeiten „Passendes“ zu finden. Ich koste Neues sehr gern, natürlich auch Fleisch, aber in der alltäglichen Ernährung greife ich doch lieber auf wunderbare Gerichte wie „Chili con Sojageschnetzeltes“ zurück und lache mich dabei kaputt, dass ich selbst ein Teil des „Food Wars“ bin.

DFM BERLIN: Welchen größten Küchenekel habt Ihr selbst jemals verbrochen? Und: Hat es jemand gemerkt?

Franz Zwerschina: Im Buch gibt es eine Anekdote über einen „panierten Waschlappen“, der einem frechen Verwandten serviert wird. Was die wenigsten wissen, ist, dass die Geschichte tatsächlich wahr ist! Als ich in Graz studierte, habe ich einmal einem Gast, der zu spät zur Party kam, einen Waschlappen mit Mehl, Ei und Semmelbrösel rauspaniert und serviert. Die Lacher waren groß.

Rafael Bettschart: Vor einigen Jahren war ich in Thailand. Als ein Zwischenstopp in Bangkok anstand, besuchten wir die legendäre Khao San Road, wo Köstlichkeiten wie karamellisierte Kakerlaken und Skorpione angeboten wurden. Nach einem Drink zu viel ließ man sich zu einem entsprechenden Konsum verleiten. Mehr gibt es dazu wohl nicht zu sagen, außer vielleicht, dass ich solche Monstrosität eher nicht selber kochen würde. Wobei …

Wir danken für das Gespräch!

Die Fragen stellte Dr. Martin A. Völker.

Franz Zwerschina (Autor), Rafael Bettschart (Autor)
Zum Scheißen reichts: Das etwas andere Kochbuch
Kampenwald Verlag, Traunstein 2021
Hardcover, 116 S.
12,85 €
ISBN: 978-3-9477-3883-0


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